Wohin fließt eigentlich unser Kita-Geld?

Was Eltern bezahlen – und warum der Weg des Geldes nicht immer sichtbar ist

Eltern zahlen je nach Wohnort, Träger und Einrichtung unterschiedliche Beträge für die Betreuung ihres Kindes. Dazu können Betreuungsbeiträge, Essensgeld, Material- oder Spielgeld und gelegentlich weitere Kosten für Ausflüge oder besondere Aktivitäten gehören.

Auf dem Kontoauszug ist schnell zu erkennen, wie viel bezahlt wurde.

Wesentlich schwieriger zu erkennen ist jedoch:

Was passiert danach mit diesem Geld?

Kommt es direkt der Kita zugute? Kann die Einrichtung selbst darüber verfügen? Wird es vom Träger verwaltet? Ist es für einen bestimmten Zweck vorgesehen? Oder ist es Bestandteil eines größeren Haushalts?

Diese Fragen lassen sich nicht für jede Kita gleich beantworten.

Denn die Finanzierung von Kindertageseinrichtungen kann sich je nach Bundesland, Kommune und Träger unterscheiden.

Eine Kita finanziert sich nicht nur durch Eltern

Ein häufiger Gedanke könnte sein:

Eltern bezahlen einen Beitrag – also müsste dieses Geld der jeweiligen Kita zur Verfügung stehen.

So einfach funktioniert die Finanzierung jedoch nicht unbedingt.

Kindertageseinrichtungen können aus unterschiedlichen Quellen finanziert werden. Öffentliche Mittel, Mittel des Trägers und Zahlungen der Eltern können dabei zusammenspielen.

Auch die Organisationsform spielt eine Rolle.

Eine kommunale Kita funktioniert finanziell anders als eine Einrichtung eines freien Trägers. Und auch bei privaten Einrichtungen können wiederum andere Strukturen bestehen.

Deshalb sagt die Höhe eines Elternbeitrags zunächst wenig darüber aus, wie viel Geld eine einzelne Einrichtung tatsächlich zur freien Verfügung hat.

Wofür braucht eine Kita eigentlich Geld?

Wenn Eltern darüber nachdenken, was in einer Kita finanziert werden muss, fallen vielleicht zuerst Dinge auf, die unmittelbar sichtbar sind:

Spielzeug, Bücher, Bastelmaterial, Fahrzeuge für den Außenbereich oder Möbel.

Doch der Betrieb einer Kindertageseinrichtung umfasst wesentlich mehr.

Personal muss finanziert werden. Räume müssen beheizt und gereinigt werden. Gebäude und Außenanlagen benötigen Pflege und Instandhaltung. Versicherungen, Verwaltung, technische Ausstattung und Verbrauchsmaterialien verursachen ebenfalls Kosten.

Hinzu kommen beispielsweise Fortbildungen, Sicherheitsmaßnahmen oder Reparaturen.

Deshalb wäre es zu kurz gedacht, nur danach zu fragen:

„Wie viel Geld wird für Spielzeug ausgegeben?“

Vielleicht müsste die Frage vielmehr lauten:

„Welche Bereiche müssen mit dem gesamten verfügbaren Geld finanziert werden?“

Was bedeutet eigentlich „Das Geld kommt bei den Kindern an“?

Auch dieser Satz klingt zunächst eindeutig.

Aber was bedeutet er konkret?

Kommt Geld nur dann beim Kind an, wenn davon ein neues Spiel gekauft wird?

Oder kommt es ebenfalls beim Kind an, wenn davon eine pädagogische Fachkraft bezahlt wird?

Was ist mit der Reinigung des Gruppenraumes?

Mit der Heizung?

Mit einer Fortbildung für Fachkräfte?

Mit der Reparatur eines Klettergerüstes?

Mit neuen Möbeln?

Oder mit der Verwaltung, die dafür sorgt, dass eine Einrichtung überhaupt funktionieren kann?

Nicht jede Ausgabe ist für Kinder unmittelbar sichtbar.

Trotzdem kann sie für den Betrieb einer Kita notwendig sein.

Die Frage, wie viel Geld tatsächlich „bei den Kindern ankommt“, lässt sich deshalb möglicherweise gar nicht mit einer einzigen Zahl beantworten.

Kommunale Kitas – wer entscheidet über das Geld?

Bei einer kommunalen Kindertageseinrichtung ist die Kommune der Träger.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Kita sämtliche Einnahmen selbst verwaltet.

Bestimmte Einnahmen und Ausgaben können über den kommunalen Haushalt laufen. Die Einrichtung selbst verfügt möglicherweise über einzelne Budgets, während andere Kosten zentral verwaltet werden.

Dadurch kann eine Situation entstehen, die von außen zunächst widersprüchlich wirkt.

Eine Kommune kann Geld für Kindertagesbetreuung ausgeben und gleichzeitig kann eine einzelne Kita sagen:

„Für diese Anschaffung haben wir momentan kein Budget.“

Dann wäre interessant zu wissen:

Hat die Kita ein eigenes Budget?

Wie hoch ist dieses?

Wer darf darüber entscheiden?

Können nicht verbrauchte Mittel in das nächste Jahr übernommen werden?

Müssen größere Anschaffungen genehmigt werden?

Und welche Kosten werden ohnehin direkt von der Kommune übernommen?

Und wie funktioniert es bei freien oder privaten Einrichtungen?

Auch bei nicht kommunalen Einrichtungen gibt es keine einzige Struktur.

Eine Kita kann beispielsweise von einem Wohlfahrtsverband, einer Kirche, einem Verein, einer Elterninitiative oder einem anderen Träger betrieben werden.

Daneben gibt es privatwirtschaftlich organisierte Einrichtungen.

Dabei bedeutet „freier Träger“ nicht automatisch, dass eine Kita ausschließlich aus privaten Geldern finanziert wird.

Auch freie Träger können öffentliche Mittel erhalten. Hinzu können Eigenmittel des Trägers sowie Zahlungen der Eltern kommen.

Deshalb wäre auch dort interessant:

Welche Einnahmen erhält die Einrichtung und wer entscheidet über deren Verwendung?

Eine besonders interessante Frage: Spiel- und Materialgeld

Manche Einrichtungen erheben zusätzlich einen Betrag, der beispielsweise als Spielgeld oder Materialgeld bezeichnet wird.

Der Name lässt zunächst vermuten, wofür das Geld gedacht ist.

Spielgeld klingt nach Spielzeug.

Materialgeld klingt nach Bastelmaterialien, Papier, Stiften, Farben oder anderen Dingen für die Kinder.

Doch allein die Bezeichnung beantwortet noch nicht alle Fragen.

Interessant wäre beispielsweise:

Ist dieses Geld ausdrücklich für einen bestimmten Zweck vorgesehen?

Falls ja:

Wofür genau darf es verwendet werden?

Wer entscheidet über Anschaffungen?

Was passiert mit Geld, das nicht ausgegeben wird?

Und können Eltern erfahren, was davon angeschafft wurde?

Hier könnte bereits eine kurze Information des Trägers viele Fragen beantworten.

Warum entsteht überhaupt die Frage: „Wo bleibt das Geld?“

Eltern sehen hauptsächlich das, was für sie unmittelbar sichtbar ist.

Sie sehen ihre monatlichen Zahlungen.

Sie sehen möglicherweise, dass Spielmaterial älter wird.

Sie hören vielleicht, dass eine bestimmte Anschaffung momentan nicht möglich ist.

Was sie normalerweise nicht sehen, sind die finanziellen Abläufe im Hintergrund.

Sie wissen möglicherweise nicht, welche Kosten zentral bezahlt werden, welches Budget die Kita selbst verwalten darf oder welche Ausgaben bereits geplant sind.

Dadurch kann schnell eine Wahrnehmung entstehen:

„Wir bezahlen regelmäßig – aber warum fehlt trotzdem Geld?“

Das muss nicht bedeuten, dass Geld falsch eingesetzt wird.

Es könnte auch bedeuten, dass der Weg des Geldes nicht ausreichend sichtbar ist.

Transparenz in einer kommunalen Kita

Wie könnte eine Kommune Eltern informieren, ohne jede einzelne Rechnung veröffentlichen zu müssen?

Vielleicht würde bereits eine einfache jährliche Übersicht ausreichen.

Darin könnte beispielsweise erklärt werden:

Welche unterschiedlichen Einnahmequellen gibt es?

Welche Zahlungen leisten Eltern?

Welche wesentlichen Kostenbereiche gibt es?

Welche Kosten trägt die Kommune zentral?

Welche Budgets verwaltet die Kita selbst?

Wer entscheidet über größere Anschaffungen?

Und wofür werden zusätzlich erhobene Beiträge verwendet?

Es müsste dabei nicht darum gehen, jede Ausgabe bis auf den letzten Euro offenzulegen.

Eine verständliche Darstellung der grundsätzlichen Finanzierungswege könnte bereits helfen.

Transparenz bei freien und privaten Trägern

Auch ein freier oder privater Träger könnte Eltern eine einfache Übersicht zur Verfügung stellen.

Beispielsweise:

Woher kommen die Mittel unserer Einrichtung?

Welche zusätzlichen Beiträge zahlen Eltern?

Wofür werden diese erhoben?

Welche Ausgaben übernimmt der Träger zentral?

Über welches Budget kann die Kita selbst entscheiden?

Welche Beiträge sind für einen bestimmten Zweck vorgesehen?

Gerade bei zusätzlichen Zahlungen könnte eine Erklärung sinnvoll sein.

Wenn Eltern beispielsweise Materialgeld bezahlen, könnte einmal jährlich dargestellt werden, welche Arten von Materialien damit finanziert wurden.

Nicht als vollständige Buchhaltung, sondern als nachvollziehbare Information.

Wie viel Transparenz ist sinnvoll?

Damit entsteht allerdings die nächste Frage:

Wie transparent sollte eine Kita-Finanzierung gegenüber Eltern überhaupt sein?

Müssen Eltern jede einzelne Rechnung kennen?

Vermutlich wäre eine solche Informationsmenge für viele Familien kaum hilfreich.

Andererseits könnte eine sehr allgemeine Aussage wie „Das Geld wird für den Betrieb verwendet“ wiederum zu wenig erklären.

Vielleicht liegt ein sinnvoller Weg dazwischen.

Eltern könnten die wesentlichen Einnahme- und Ausgabenbereiche kennenlernen, ohne Einblick in jeden internen Buchungsvorgang zu erhalten.

Eine einfache Idee: „Unsere Kita in Zahlen“

Vielleicht könnte einmal im Jahr eine kurze Übersicht ausgehängt oder an Eltern verschickt werden:

Unsere Kita in Zahlen

Unsere Finanzierung

Mittel der öffentlichen Hand
Mittel des Trägers
Elternbeiträge
Verpflegungsgeld
Material- oder Spielgeld
weitere Einnahmen

Dafür wird Geld benötigt

Personal
Verpflegung
Gebäude und Betrieb
Reinigung
pädagogische Materialien
Ausstattung
Reparaturen und Instandhaltung
Fortbildungen
Verwaltung
weitere Kosten

Darunter könnte erklärt werden:

„Über folgende Mittel entscheidet unsere Kita selbst …“

und

„Folgende Kosten werden zentral durch den Träger beziehungsweise die Kommune verwaltet …“

Damit könnten Eltern besser unterscheiden, welche finanziellen Entscheidungen tatsächlich innerhalb ihrer Kita getroffen werden und welche nicht.

Vielleicht ist die entscheidende Frage eine andere

Wenn über Kita-Geld gesprochen wird, entsteht schnell die Frage:

„Wie viel davon kommt wirklich bei den Kindern an?“

Vielleicht lässt sich diese Frage aber gar nicht eindeutig beantworten.

Denn Kinder benötigen nicht nur Spielzeug und Bastelmaterial.

Sie benötigen Fachkräfte, sichere Räume, funktionierende Sanitäranlagen, Essen, Wärme, saubere Räume und eine funktionierende Organisation.

Vieles davon sehen Kinder und Eltern kaum – und trotzdem gehört es zum Betrieb einer Kindertageseinrichtung.

Interessanter könnte deshalb sein:

Welche Bedingungen werden mit dem vorhandenen Geld geschaffen?

Und ebenso:

Welche Bedingungen könnten nicht geschaffen werden, weil dafür die finanziellen Mittel fehlen?

Fragen dürfen gestellt werden

Transparenz muss nicht bedeuten, dass jemandem ein falscher Umgang mit Geld unterstellt wird.

Eltern können schlicht verstehen wollen, wie die Finanzierung der Einrichtung ihres Kindes funktioniert.

Vielleicht reichen dafür bereits einige einfache Fragen:

Welche Beiträge zahlen wir eigentlich genau?

Wofür sind diese Beiträge bestimmt?

Welche davon sind zweckgebunden?

Über welches Budget verfügt unsere Kita selbst?

Welche Ausgaben übernimmt die Kommune oder der Träger?

Wer entscheidet über Anschaffungen?

Und was passiert, wenn das vorhandene Budget nicht ausreicht?

Kommunale, freie und private Einrichtungen werden darauf möglicherweise unterschiedliche Antworten geben.

Gerade diese Unterschiede machen die Frage interessant.

Denn am Ende geht es vielleicht weniger darum, jeden einzelnen Euro bis in den Gruppenraum zu verfolgen.

Es geht darum, nachvollziehen zu können, wie Kita finanziert wird, wer über das Geld entscheidet und was mit den vorhandenen Mitteln für den Alltag der Kinder ermöglicht werden kann.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Transparenz beginnt:

nicht alles offenzulegen – sondern verständlich zu machen, wie das System funktioniert.